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Bedrohungslage

BSI warnt vor KI-Social-Bots: Phishing bekommt ein freundliches Gesicht

Die alten Erkennungsmerkmale für Betrugsversuche verlieren ihren Wert. Wenn Rechtschreibfehler verschwinden und Gespräche über Wochen laufen, braucht Awareness eine neue Grundlage.

Hände tippen eine Nachricht auf einem SmartphoneUnsplash
Das Wichtigste in Kürze

Das BSI berichtet am 27. August 2026 über Social Bots, die Phishing und Betrugsversuche durchführen und deren Glaubwürdigkeit durch KI deutlich steigt. Damit verlieren die klassischen Erkennungsmerkmale ihren Wert: Rechtschreibfehler, unpersönliche Anreden und holprige Formulierungen entstanden, weil Angreifer die Sprache ihrer Opfer nicht beherrschten, und genau dieses Hindernis existiert nicht mehr. Anders als klassisches Phishing bauen Social Bots über Wochen Beziehungen auf, parallel mit hunderten Zielpersonen, bevor der schädliche Schritt kommt. Tragfähige Erkennungsmerkmale sind strukturell: aufgebauter Zeitdruck, ein vom Üblichen abweichender Weg, Anfragen, die nicht zur Rolle des Absenders passen, und die Gegenprobe über einen zweiten, selbst gewählten Kanal. Verlassen sollte sich ein Unternehmen darauf nicht, sondern Prozesse bauen, die auch bei gelungener Täuschung halten, etwa ein Vier-Augen-Prinzip ab Betragsgrenze und Kontoänderungen nur nach Rückruf an die hinterlegte Nummer. Die Hemmung abzubauen, auch Vorgesetzte zu überprüfen, ist dabei eine Führungsaufgabe.

Das BSI hat am 27. August 2026 einen Bericht zu Social Bots veröffentlicht. Gemeint sind automatisierte Konten, die in sozialen Netzwerken und Messengern auftreten, Phishing-Angriffe und Betrugsversuche durchführen und deren Glaubwürdigkeit durch künstliche Intelligenz deutlich steigt.

Für die Sicherheitsschulung im Unternehmen ist das eine unangenehme Nachricht, denn sie entwertet nahezu alles, was in den letzten fünfzehn Jahren an Erkennungsmerkmalen vermittelt wurde.

Die alten Merkmale funktionieren nicht mehr

Fast jede Awareness-Schulung, die wir kennen, arbeitet mit derselben Liste. Achten Sie auf Rechtschreibfehler. Achten Sie auf unpersönliche Anreden. Achten Sie auf holprige Formulierungen. Achten Sie darauf, ob der Text übersetzt wirkt.

Diese Merkmale hatten alle denselben Ursprung. Der Angreifer sprach die Sprache seines Opfers nicht gut genug. Genau dieses Hindernis existiert nicht mehr. Eine Nachricht in fehlerfreiem Deutsch, im Tonfall der Branche, mit korrekter Anrede und passendem Bezug auf ein reales Projekt kostet heute weniger Aufwand als eine schlechte Übersetzung vor zehn Jahren.

Wer seinen Mitarbeitern beibringt, auf Rechtschreibfehler zu achten, bringt ihnen bei, gut gemachte Angriffe zu übersehen.

Was Social Bots anders machen

Klassisches Phishing ist ein Schuss. Eine E-Mail, ein Link, eine Chance. Ein Social Bot arbeitet anders. Er baut eine Beziehung auf. Er kontaktiert einen Mitarbeiter auf einer beruflichen Plattform, kommentiert einen Beitrag, stellt eine fachliche Frage. Er kann das über Wochen tun, parallel mit hunderten Zielpersonen, ohne zu ermüden.

Der schädliche Moment kommt spät und wirkt dann harmlos, weil ihm zwanzig unverdächtige Kontakte vorausgegangen sind. Ein Dokument, um das man vorher gebeten hat. Ein Link zu einem Beitrag, über den man schon gesprochen hat. Eine Terminanfrage über ein Portal, das man selbst vorgeschlagen bekommen hat.

Der Vergleich, der das gut trifft: Klassisches Phishing ist der Vertreter, der an der Tür klingelt. Ein Social Bot ist der neue Nachbar, der ein halbes Jahr lang freundlich grüßt, bevor er fragt, ob er kurz den Schlüssel haben könnte.

Woran man sich stattdessen orientieren kann

Wenn die sprachlichen Merkmale wegfallen, bleiben die strukturellen. Sie sind schwerer zu vermitteln, weil sie nicht auf einen Blick erkennbar sind. Dafür altern sie besser.

  • Wird Druck aufgebaut, zeitlich oder hierarchisch? Echte Vorgänge vertragen eine Rückfrage.
  • Wird ein Weg vorgeschlagen, der vom üblichen abweicht? Eine Rechnung, die per Messenger kommt, ist auffällig, egal wie gut sie formuliert ist.
  • Passt die Anfrage zur Rolle des Absenders? Warum fragt jemand aus dem Vertrieb nach Zugangsdaten für ein System, mit dem er nie zu tun hatte?
  • Lässt sich der Absender über einen zweiten, selbst gewählten Kanal erreichen? Nicht über die Nummer aus der Signatur, sondern über die aus dem eigenen Verzeichnis.

Der letzte Punkt ist der wirksamste und der am seltensten geübte. Ein kurzer Rückruf über eine bekannte Nummer beendet fast jeden dieser Angriffe. Er scheitert in der Praxis daran, dass Mitarbeiter sich unwohl fühlen, einen vermeintlichen Vorgesetzten zu überprüfen. Diese Hemmung abzubauen ist Führungsaufgabe und keine Schulungsaufgabe.

Woher die Angreifer ihre Informationen haben

Was einen dieser Angriffe überzeugend macht, ist selten technische Raffinesse. Es sind Details. Der Name eines laufenden Projekts. Die Kenntnis, wer gerade im Urlaub ist. Der Hinweis auf eine Messe, auf der das Unternehmen letzte Woche stand. Diese Details wirken wie Insiderwissen und stammen fast immer aus öffentlichen Quellen.

Unternehmen liefern sie selbst, meist aus guten Gründen. Die Karriereseite nennt Namen und Zuständigkeiten. Die Pressemitteilung nennt den Großkunden. Ein Mitarbeiter teilt ein Foto vom Messestand. Eine Stellenanzeige für einen Administrator verrät, welche Systeme im Einsatz sind. Nichts davon ist ein Fehler. Zusammengesetzt ergibt es aber ein Lagebild, für das früher jemand recherchieren musste und das heute automatisiert entsteht.

Die Empfehlung lautet deshalb nicht, weniger zu veröffentlichen. Sie lautet, sich einmal bewusst zu machen, was ein Fremder über das eigene Unternehmen zusammentragen kann. Eine halbe Stunde mit einer Suchmaschine reicht für diese Übung, und sie verändert die Einschätzung fast immer.

Was die Technik beitragen kann

Auf Erkennung allein sollte man sich nicht verlassen, wenn der Angriff besser wird als das menschliche Urteil. Die zweite Verteidigungslinie sind Prozesse, die auch dann halten, wenn jemand getäuscht wurde.

Der klassische Fall ist die geänderte Bankverbindung eines Lieferanten. Wenn eine Zahlung ab einem bestimmten Betrag zwei Freigaben braucht und eine Kontoänderung nur über einen Rückruf an die hinterlegte Nummer wirksam wird, ist der Angriff wirkungslos, selbst wenn die Nachricht perfekt war. Solche Regeln lassen sich in jeder Fachanwendung abbilden. Sie kosten wenig und ersetzen Wachsamkeit durch Struktur.

Das ist überhaupt der Kern: Awareness ist gut, aber sie ist eine Leistung, die jeden Tag neu erbracht werden muss, von jedem Einzelnen, auch am Freitag um siebzehn Uhr. Ein Prozess erbringt sie einmal und dann dauerhaft.

Drei Anpassungen für die nächste Schulung

  1. Die Folie mit den Rechtschreibfehlern ersetzen. Stattdessen zwei echte, gut gemachte Beispiele zeigen und die strukturellen Merkmale markieren.
  2. Den Rückruf zur Norm erklären, ausdrücklich auch bei Anfragen von oben. Am besten sagt das die Geschäftsführung selbst.
  3. Die drei teuersten Vorgänge im Unternehmen identifizieren und für jeden prüfen, ob eine einzelne getäuschte Person ihn auslösen kann.
Zur Entstehung dieses Beitrags

Für Recherche, Textentwurf und sprachliche Überarbeitung dieses Beitrags haben wir KI eingesetzt. Die Auswahl des Themas, die fachliche Einordnung und die Prüfung der genannten Quellen liegen bei uns.

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